Dr. Eva Zimper im Gespräch mit einer Patientin in der Ordination Wien 18
Erwachsene

Makuladegeneration (AMD): Erkennung, Behandlung und was Sie jetzt tun können

Von Dr. Eva Zimper · 13. Mai 2026

Die Makuladegeneration ist die häufigste Ursache für Sehverlust im höheren Alter – und wird oft zu spät erkannt. Dr. Eva Zimper erklärt Symptome, Therapien und wie Sie Ihr Sehvermögen schützen.

Die Makuladegeneration ist in Österreich die häufigste Ursache für Sehverlust im höheren Alter – und wird oft zu spät erkannt. Aufgrund meiner jahrelangen Tätigkeit in der Augenabteilung eines großen Wiener Krankenhauses bin ich mit diesem Krankheitsbild und dessen Sonderformen sehr gut vertraut.

Was ist die Makula – und warum ist sie so wichtig?

Die Makula ist ein etwa fünf Millimeter großer Bereich in der Mitte der Netzhaut. Sie ist für das scharfe Sehen geradeaus zuständig – also für alles, was wir bewusst fixieren: Gesichter lesen, Texte erkennen, Autofahren. Wenn die Makula geschädigt wird, verliert man genau dieses zentrale Sehvermögen. Das periphere Sehen (seitlich) bleibt erhalten – Betroffene erblinden daher nicht vollständig, können aber viele alltägliche Aufgaben nicht mehr selbstständig erledigen.

Trockene und feuchte AMD: Was ist der Unterschied?

Die AMD tritt in zwei Formen auf, die sich grundlegend in Verlauf und Behandlung unterscheiden:

Trockene AMD (ca. 85–90 % der Fälle)

Bei der trockenen Form lagern sich Stoffwechselprodukte unter der Netzhaut ab – sogenannte Drusen. Die Netzhautzellen sterben nach und nach ab. Der Verlauf ist langsam, über Jahre oder Jahrzehnte. Eine medikamentöse Therapie, die den Verlauf aufhält, gibt es derzeit noch nicht. Was jedoch gut belegt ist: Die AREDS-II-Studie hat gezeigt, dass eine gezielte Nahrungsergänzung das Risiko, von einer frühen in eine fortgeschrittene AMD überzugehen, signifikant senken kann. Die untersuchte Kombination enthält Lutein, Zeaxanthin, Vitamin C, Vitamin E sowie Zink. Entsprechende Präparate sind in Apotheken erhältlich – ich berate Sie gerne, ob und für wen diese Ergänzung sinnvoll ist.

Feuchte AMD (ca. 10–15 % der Fälle)

Die feuchte AMD ist seltener, aber deutlich aggressiver. Unter der geschädigten Netzhaut wachsen krankhafte neue Blutgefäße, die Flüssigkeit und Blut austreten lassen. Das Sehvermögen kann sich innerhalb von Wochen drastisch verschlechtern. Die feuchte AMD ist heute gut behandelbar – aber nur wenn sie früh erkannt wird.

Welche Symptome sind typisch für eine Makuladegeneration?

Die AMD beginnt häufig ohne spürbare Beschwerden. Typische Frühzeichen sind:

  • Verzerrtes Sehen: Gerade Linien erscheinen gewellt oder gebogen (z.B. Türrahmen, Buchseiten)
  • Unschärfe in der Bildmitte: Gesichter oder Texte werden zunehmend undeutlich
  • Buchstaben fehlen beim Lesen: Bestimmte Stellen wirken ausgeblendet
  • Farben wirken blasser als gewohnt
  • Mehr Licht nötig als früher beim Lesen oder Naharbeiten

Wichtig: Diese Symptome können auch andere Erkrankungen anzeigen. Bei jedem dieser Zeichen sollten Sie zeitnah eine Augenärztin aufsuchen – bei plötzlicher Verzerrung sofort.

Der Amsler-Gitter-Test: So testen Sie sich selbst

Das Amsler-Gitter ist ein einfaches Raster, das Sie zuhause zur Selbstkontrolle verwenden können. So geht's:

  • Setzen Sie Ihre Lesebrille auf (falls vorhanden)
  • Halten Sie das Gitter in ca. 30 cm Abstand
  • Decken Sie ein Auge ab und fixieren Sie den Punkt in der Mitte
  • Erscheinen Linien wellig, verzerrt oder fehlen Bereiche? → Augenarztbesuch dringend empfohlen
  • Wiederholen Sie den Test mit dem anderen Auge

Dieser Test ersetzt keine augenärztliche Untersuchung, kann aber als regelmäßige Kontrolle sinnvoll sein – besonders wenn bereits eine AMD-Diagnose vorliegt.

Wer ist besonders gefährdet?

Der wichtigste Risikofaktor ist das Alter. Aber nicht nur:

  • Alter über 60: Das Risiko steigt ab dem 60. Lebensjahr deutlich an
  • Rauchen: Erhöht das AMD-Risiko um das 2- bis 4-fache – auch noch Jahre nach dem Rauchstopp
  • Familiäre Vorbelastung: Erkrankte Eltern oder Geschwister verdreifachen das eigene Risiko
  • Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Helle Augenfarbe (blaue oder grüne Augen)
  • Fehlende UV-Schutzbrille bei starker Sonneneinstrahlung
  • Bewegungsmangel und unausgewogene Ernährung

Wie wird AMD diagnostiziert?

In meiner Ordination setze ich mehrere Untersuchungen ein, um AMD frühzeitig zu erkennen:

  • Sehschärfemessung und Spaltlampenuntersuchung
  • OCT (Optische Kohärenztomografie): Hochauflösende Schichtaufnahme der Netzhaut – zeigt selbst kleinste Veränderungen, bevor Symptome auftreten
  • Amsler-Gitter-Test zur Funktionskontrolle
  • Fundusuntersuchung nach Pupillenerweiterung

Besonders die OCT ist entscheidend: Sie ermöglicht eine Diagnose zu einem Zeitpunkt, zu dem eine Behandlung noch maximal wirksam ist.

Behandlung der feuchten AMD: IVOM-Therapie

Die wirksamste Therapie der feuchten AMD sind intravitreale Injektionen (IVOM) – also Medikamente, die direkt in den Glaskörper des Auges injiziert werden. Das klingt einschüchternd, ist aber ein schneller, gut verträglicher Eingriff unter lokaler Betäubung.

Die eingesetzten Wirkstoffe hemmen das Wachstum der krankhaften Blutgefäße (Anti-VEGF). Es stehen heute mehrere zugelassene Präparate zur Verfügung, die sich in Wirkweise und Behandlungsintervall unterscheiden. Welches Medikament am besten geeignet ist, wird individuell – abhängig von Befund und Verlauf – entschieden. Die Injektionen selbst müssen in einem Krankenhaus durchgeführt werden; ich begleite und betreue meine Patientinnen und Patienten dabei und organisiere die notwendigen Überweisungen.

Was kann ich selbst tun? Prävention und Lebensstil

Auch wenn eine genetische Veranlagung nicht beeinflussbar ist – einige Faktoren liegen in Ihrer Hand:

  • Nicht rauchen (oder aufhören): Der wichtigste modifizierbare Risikofaktor
  • Sonnenschutz: Qualitativ hochwertige UV-Schutzbrille bei starker Sonneneinstrahlung
  • Ernährung: Viel grünes Blattgemüse (Lutein, Zeaxanthin), Fisch (Omega-3), wenig Transfette
  • Blutdruck kontrollieren: Regelmäßige Messung und Behandlung bei Hypertonie
  • Regelmäßige Bewegung: Mindestens 150 Minuten moderate Aktivität pro Woche
  • Augenarztkontrollen ab 60: Jährliche OCT-Kontrolle empfohlen

Dieser Beitrag wurde von Dr. Eva Zimper verfasst, Fachärztin für Augenheilkunde und Optometrie, bis 1/26 Oberärztin im Hanusch Krankenhaus Wien.

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