Orthoptistin bei der Untersuchung eines Kindes in der Ordination Dr. Zimper Wien 18
Kinder

Frühkindliches Schielen: Was Eltern wissen müssen – und was eine Orthoptistin macht

Von Dr. Eva Zimper · 5. Juni 2026

Schielen im Kindesalter ist häufiger als viele denken – und muss früh erkannt werden. Dr. Eva Zimper erklärt, woran Sie es erkennen, warum Behandlung so wichtig ist und welche Rolle die Orthoptistin dabei spielt.

Schielen (Strabismus) gehört zu den häufigsten Augenerkrankungen im Kindesalter. Etwa 4–5 % aller Kinder sind betroffen – viele davon ohne dass die Eltern es zunächst bemerken. Denn nicht jedes Schielen ist auf den ersten Blick sichtbar. Umso wichtiger ist eine frühzeitige Diagnose.

Was ist Schielen – und warum ist es mehr als ein kosmetisches Problem?

Beim Schielen weichen die Augen voneinander ab: Ein Auge schaut geradeaus, das andere nach innen, außen, oben oder unten. Das Gehirn empfängt dadurch zwei unterschiedliche Bilder und lernt rasch, das Bild des schielenden Auges zu unterdrücken.

Die Folge: Das schwächere Auge wird immer weniger genutzt – und entwickelt sich schlechter. Man spricht von einer Amblyopie (Schwachsichtigkeit). Diese kann dauerhaft bestehen bleiben, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird. Das visuelle System des Kindes ist bis etwa zum 8.–10. Lebensjahr formbar – danach lässt sich eine Amblyopie kaum noch wirksam therapieren.

Woran erkennen Eltern frühkindliches Schielen?

Manche Formen sind gut sichtbar, andere kaum. Achten Sie auf:

  • Ein Auge dreht sich nach innen oder außen – auch nur gelegentlich
  • Das Kind hält den Kopf schief oder dreht ihn beim Schauen
  • Lichtreflexe fallen auf beiden Augen nicht symmetrisch
  • Das Kind kneift ein Auge zu, besonders in hellem Licht
  • Auffälligkeiten bei der Mutter-Kind-Pass-Untersuchung

Wichtig: Bei Säuglingen bis zu 3–4 Monaten ist gelegentliches Schielen noch normal – danach sollte es einem Augenarzt gezeigt werden.

Was macht eine Orthoptistin?

Die Orthoptistik ist ein eigenständiger Gesundheitsberuf, der sich auf Diagnose und Behandlung von Sehstörungen, Schielen und Augenbewegungsstörungen spezialisiert. Eine Orthoptistin ist damit keine Augenoptikerin und keine Krankenschwester – sondern eine ausgebildete Fachkraft mit einem eigenen Kompetenzbereich.

In unserer Ordination übernimmt unsere Orthoptistin Sarah Fischereder – die auch ausgebildete Augenoptikerin ist – unter anderem folgende Aufgaben:

  • Sehschärfemessung bei Kindern, angepasst an Alter und Entwicklungsstand
  • Schielwinkelbestimmung – Messung von Ausmaß und Art des Schielens
  • Prüfung des beidäugigen Sehens – sehen beide Augen zusammen, oder wird ein Auge unterdrückt?
  • Okklusionstherapie (Abpflastern des stärkeren Auges) – um das schwächere Auge zur Arbeit zu zwingen
  • Brillenanpassung bei Kindern mit Sehfehlern
  • Orthoptische Übungen zur Verbesserung der Augenkoordination

Wie wird Schielen behandelt?

Die Behandlung hängt von Ursache, Art und Ausmaß des Schielens ab. Mögliche Maßnahmen:

  • Brillenkorrektur: Oft reicht eine Brille aus, um ein durch Weitsichtigkeit bedingtes Schielen zu korrigieren
  • Okklusionstherapie: Das stärkere Auge wird stundenweise abgedeckt, damit das schwächere Auge trainiert wird
  • Orthoptische Übungen: Gezielte Sehübungen zur Förderung des beidäugigen Sehens
  • Operation: Bei strukturellem Schielen, das auf andere Maßnahmen nicht ausreichend anspricht, kann ein operativer Eingriff an den Augenmuskeln notwendig sein

Meine Empfehlung

Schielen ist kein Problem, das sich von selbst löst. Je früher es erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Chancen auf ein vollständiges beidäugiges Sehvermögen. Wenn Sie Auffälligkeiten bei Ihrem Kind bemerken – oder einfach unsicher sind – vereinbaren Sie einen Termin. Wir nehmen uns Zeit für eine gründliche Untersuchung.


Dieser Beitrag wurde von Dr. Eva Zimper verfasst, Fachärztin für Augenheilkunde und Optometrie, bis 1/26 Oberärztin im Hanusch Krankenhaus Wien.

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